vom 26.08 – 29.08.2020 in die piemontesischen Berge

 

Nachdem wir die letzten Feriengäste verabschiedet hatten, sind wir für 4 Tage in die Berge aufgebrochen.

Zuvor mussten aber Planzen und Blumen auf einige Tage Abwesenheit vorbereitet werden. Der Aufwand ist schon immer erheblich und es ist dabei egal, ob wir nur 3 Tage oder 3 Wochen wegfahren, aber der Toyo rief und wir folgten.

 

Es ging durch den Tendetunnel ins Piemont in die das Valle Stura, westlich von Cuneo gelegen.

Unser erstes Ziel für 2 Nächte war der Lago della Rovina, auf 1500m Höhe an einem Talende gelegen.

Es gibt hier ein schön angelegtes Freizeitgelände, auf dem auch Übernachten im Camper erlaubt ist.

Die Lage direkt am See ist herrlich, wenngleich durch die hohen Berge die Sonne früh unter geht und spät am Morgen das Tal erwärmt.

Am nächsten Tag führte uns eine Bergtour 550m höher zu einem Stausee und dem Rifugio Genova Figari. 

 

 

 

Am nächsten Tag führte uns eine Bergtour 550m höher zu einem Stausee und dem Rifugio Genova Figari. 

Der Wanderweg ist gut auf dem folgenden Bild auf der rechten Bergseite zu sehen. Es muß wohl vor langer Zeit mal eine Fahrstrasse zum Bau der Staumauer gewesen sein, inzwischen hat die Natur schon fast wieder den Originalzustand hergestellt.

 

Das Rifugio (etwas klein im nächsten Bild) liegt herrlich auf einem Felsen oberhalb des Stausees und lädt zum Verweilen und Übernachten ein. Von hier führen einige Wanderwege über weitere Pässe, dem Wanderfreudigen steht hier einiges an Möglichkeiten offen. Wir hingegen stärken uns mit einer Portion Antipasti, bevor wir zum Toyo zurückkehren. 11 km Strecke mit Barfußsocken reichen uns heute in dem steinigen Gelände und auch Ben ist sichtbar froh, als er sich im Schatten den Toyo ausruhen kann.

Am Folgetag starten in ein Gebiet, welches wir Pfingsten 2000 schon mal zusammen mit den Kindern erkundet hatten; das Gebiet zwischen Valle Stura und Valle Varaita.

Die gesamte damalige Tour kann hier nachgelesen werden. Es war seinerzeit unsere erste größere 4x4-Reise.

Hier gibt es auch heute noch einsame Bergsträßchen, die nur noch sporadisch unterhalten werden und ein etwas mehr an Bodenfreiheit und robuste Reifen erfordern. 

 

Leider schlägt das Wetter um, immer wieder ziehen kräftige Regenböen über uns hinweg und wir befahren nur einen Teil der Piste und drehen um, um uns dann einen halbwegs geschützten Stellplatz für die Nacht suchen. Wir üben mal wieder das Leben im Toyo bei geschlossenem Hubdach, aber diesmal mit einem Plus von 10 cm Höhe, dank der neuen Dachschale. Dies eröffnet einige neue Sitzmöglichkeiten, aber auf Dauer ist es weiterhin eng; Sonny´s Träume von einem Sofa im Toyo müssen bis auf weiteres auf der Wunschliste verharren.

Dennoch ist das Mehr an Luftraum nicht zu verachten und der Bettenbau geht doch um einiges einfacher als früher. Zugleich läuft unsere Standheizung (ohne Höhenanpassung) auf 2450m Höhe stundenlang ohne Murren, wenn auch mit reduzierter Leistung. Liegt es am neuen Einbauplatz, der eine verbesserte Luftführung ermöglicht? Früher ging die Heizung regelmäßig ab 1800m Höhe aus und dann in den Fehlermodus.

Der 29.08 führt uns dann wieder retour gen Süden und das Wetter wird wieder zunehmend besser. Wir hoffen, dass wir diese Strecke nicht erst in 20 Jahren erneut fahren. Die Weite der Landschaft ist dafür einfach zu grandios.


 

Zu Pässen, Pisten und Tälern in den Cinque Valli und der Haute-Provence (13.09 – 22.09.2020)

 

Nachdem unsere letzte Tour das Interesse an den Cinque Valli geweckt hat, wollen wir dieses Mal diese Gegend intensiver und bei besserem Wetter erkunden.

 

Von Nizza kommend fahren wir gen Norden über Isola nach Isola 2000, einem aus dem Boden gestampften Skiressort. Im Sommer zeigt ein solcher Ort seine hässlichen Seiten. Breite Schneisen durchbrechen den ehemaligen Bannwald und sorgen im Winter für freie Bahn für die Skifahrer. Vereinzelte Baumgruppen stehen wie einsame Verkehrsinseln in der Natur. Im Winter mag dies ja schön sein, wenn jedoch kein Schnee die verletzte Natur bedeckt, fährt am besten schnell die letzten 350 Höhenmeter weiter zum Colle della Lombarda (2.350 m Höhe). Auf der Nordseite öffnet sich die Landschaft und ein weites Hochtal empfängt uns. Hier gibt es viele freie Stellplätze mit Panoramablick und wir haben die Qual der Wahl. Die Nordseite des Passes ist auf jeden Fall 

eine Reise wert.

 

Die Hochebene lädt am nächsten Tag zu einer ausgedehnten Tour auf einem Bergkamm ein. Der Vorteil solcher Wege ist, dass die Höhenunterschiede überschaubar sind und wir zugleich Panoramablicke ohne Ende haben.

 

Natürlich sind auf diesen Höhen über 2.000 m die Nächte kalt und unser Optimismus in eine höhentaugliche Heizung (siehe Lobeshymnen im letzten Bericht) werden tief enttäuscht. Statt regulärer Verbrennung bevorzugt die Heizung den Fehler F01 (kein Heizungsstart); wohl wegen zu starker Verrußung durch Sauerstoffmangel. 

Es bleibt abends also kalt im Toyo, ein wenig hilft die Gasflamme beim Kochen, aber wir kochen ja auch nicht stundenlang. Wir kennen dies noch aus unserer letzten USA-Reise und ertragen F01 mit Fassung. Die Stellplatzwahl der kommenden Tage wird davon geprägt, wie früh die Sonne auf das Auto scheint; vorher wird nicht aufgestanden.

Strecke des GTA
Strecke des GTA

Auf der Nordseite des Col de la Lombarde liegt auf 2.075m Höhe das wohl höchstgelegende ehemalige Kloster der Alpen; St. Anna di Vinadio. Früher war die Anlage, gegründet im 11. Jahrhundert, ein wichtiger Stützpunkt bei Alpenüberquerungen. 

 

Heute ist es ein religiöser Wallfahrtsort, begehrter Endpunkt für leistungsstarke Radlfahrer, kurvenliebende Biker und bietet Wanderern Unterkunft. Es liegt am GTA (Grande Traversata delle Alpini), einem 1.000 km langem Weitwanderweg durch die Westalpen bis nach Ventimiglia.

Auch Wohnmobile sind hier willkommen, allerdings nur für 3-4 Monate im Jahr. Im Winter liegen hier mehrere Meter Schnee, Postkarten zeigen Skifahrer, direkt neben dem Kirchturm stehend, das Kirchengebäude selbst tief eingeschneit.

 

Die Cinque Valli, so werden die fünf Täler westlich von Turin bis Cuneo genannt. 

 

Wir fahren hinab in das südlichste der Täler, das Valle Stura. Von Demonte aus führt ein schmales Sträßchen zum Colle Valcavera (2.420 m). An dieser Stelle mussten wir Ende 08-2020 umdrehen, das Wetter war seinerzeit zu schlecht. 

 

Heute empfängt uns Sonnenschein mit Fernsicht; hier beginnt die Piste der Maira-Stura-Kammstrasse (siehe auch Alpenstrassenführer Denzel Nr. 378), die auf 20km in dieser Höhe durch einsame Hochebenen und spektakuläre Landschaften führt. Diese Strecke ist an Wochentagen frei und für Fahrzeuge mit ausreichender Bodenfreiheit befahrbar.

Es ist nur zu hoffen, dass dies noch lange so bleibt und die Reisenden achtsam mit der Natur umgehen. Für uns zählt diese Strecke zu den eindrucksvollsten der Alpen.

 

Das Valle Maira ist das zweite Tal der Cinque Valli und Startpunkt zur Anfahrt auf den Colle di Sampéyre (2.280 m). Die kleine durchweg asphaltierte Passstrasse bildet den Übergang in das dritte Tal, das Valle Varaita. 

Auf der Passhöhe kreuzen wir die Varaita-Maira-Kammstrasse (Denzel Nr. 375), eine 30km lange Piste, die dem langgestreckten Bergkamm zwischen beiden Tälern folgt und von 1.700m bis auf 2.285 m ansteigt. Wir verzichten auf diese Strecke, finden aber auf der Passhöhe einen ruhigen Platz zum Nächtigen; mit freiem Blick auf den Monviso (3.840 m), dem weitaus höchsten Berg der Region; an dem der Fluss Po entspringt.

Monviso, vom Colle die Sampéyre aus
Monviso, vom Colle die Sampéyre aus

 

Wir fahren am nächsten Tag hinab in das Valle Varaita; Tal Nr. 3, und suchen uns am Fuße des Colle di Angello einen Nachtplatz auf 1.500 m Höhe. Die fehlende Heizung wirkt sich langsam auf unsere Kondition aus, abends und morgens ist es doch recht frisch im Toyo. 

 

Der Colle di Angello zählt zu den höchsten Alpenpassen und führt über eine Höhe von 2.746 m nach Frankreich. Die Passhöhe selbst bietet wenig Raum zum Verweilen, dafür öffnet sich die Westseite weit mit Blick auf die französischen Alpen mit bis zu 4.100 m Höhe. 

 

Wir finden einen abseits gelegenen Stellplatz mit Abend- und Morgensonne; im Windschatten einer kleinen Kapelle und mit Gottes Segen kann ich unsere Brotvorräte ergänzen.

 

Quelle: http://www.montdauphin-vauban.fr/en/heritage/brief-history-mont-dauphin
Quelle: http://www.montdauphin-vauban.fr/en/heritage/brief-history-mont-dauphin

 

Wir sind inzwischen in der Haut-Provence angekommen; haben die Pässe hinter uns gelassen und von nun an geht’s bergab in Richtung Mittelmeer.

 

Der erste Halt ist die Festungsanlage Mont-Dauphin. Erbaut wurde diese im Jahre 1690 von Vauban, dem Festungsarchitekten König Ludwig XIV und ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. 

Auf einem Hochplateau gelegen, schützen die mächtigen Festungsmauern den kleinen Ort. 

Für uns geht es danach weiter nach Sisteron, einem weiteren Festungsort, gelegen an der Route Napoleon, über die seinerzeit Napoleon nach seiner Flucht von Elba in Richtung Paris eilte, um dort die Macht zurückzuerobern. 

Die malerische Altstadt und die Zitadelle, hoch über der Durance gelegen, laden zu einem Bummel ein, wenngleich zu Coronazeiten der Maskenzwang in der Innenstadt den Spass um einiges trübt.

 

Jetzt ist es nicht mehr weit zur Klosteranlage Salagon. Die Anlage, deren Grundmauern bis in die Römerzeit reichen, wird sorgfältig gepflegt und es ist eine Freude und Inspiration, sich durch die gut dokumentierten ethnobotanischen Anlagen und alten Gemäuer treiben zu lassen. 1.700 verschiedene Pflanzen sind hier nach Themengebieten geordnet und wunderschön angelegt.

 

Wir verbringen hier 2 Nächte und lassen so unsere Tour über Pisten, Pässe und Täler entspannt ausklingen.

 

 

 

 

Nachtrag: 

 

Später auf Meereshöhe sprang die Heizung unter starkem Qualen wieder an und brannte sich danach wieder frei.