13. Nach New York und Reisefazit 

 

Exeter NH, 19.02.2019

 

Die Rückreise von New Orleans nach New York verläuft zügig und wenig spektakulär. Innerhalb von 5 Tagen durchqueren wir viele Bundesstaaten, bis wir zuletzt in New Jersey wieder ankommen. Das warme Wetter vom Golf von Mexiko wurde schnell spürbar kühler und wir hatten nachts wieder frostige Temperaturen.

 

Für Besichtigungen oder Müßiggang war jetzt keine Zeit mehr, denn wir hatten unseren Verschiffungstermin in Newark, der sogar noch in den letzten Tagen von der Reederei nach vorne verlegt wurde. Da die Ostküste in dieser Jahreszeit für massive Kälteeinbrüche und Schnee berüchtigt ist, hatten wir auch entsprechende Puffertage eingeplant.

 

Freie Übernachtungsplätze gibt es auf dieser Strecke kaum und die meisten Campingplätze haben im Winter geschlossen. Somit weichen wir auf geschützte Rastplätze am Highway, Walmart-Parkplätze sowie auf Parkplätze an Kirchen aus. Selten sind diese Plätze ruhig und wir schlafen meist unten, da es hier ein wenig leiser ist. Walmart hat den Vorteil von WiFi und wir können gleich noch einkaufen gehen. Da diese Läden allerdings 24/7 Betrieb haben, kehrt erst spät oder auch gar keine Ruhe ein. Eines Abends erhalten wir auf einem Kirchenparkplatz nachts um 23 Uhr Besuch von der Polizei. Auf einer Streifenfahrt haben sie uns gesehen und decken uns mit ihrem Flutlicht ein. Wir dürfen aussteigen, ein Polizist sichert das Umfeld, während ein zweiter unsere Personalien aufnimmt. Da wir keine Waffen besitzen, keine kriminelle Energie verbreiten und unsere Pässe in Ordnung sind, wünschen sie uns nach geraumer Zeit eine gute Nacht und informieren auch ihre Kollegen über unseren Stellplatz.

 

In Newark haben wir für 4 Nächte eine kleine Wohnung gemietet, in der wir in Ruhe unseren Toyo für die Verschiffung fertig machen können. Das Hubdach sowie die gesamte aussen verstaute Ausrüstung muss noch trocknen, denn just in der letzten Nacht südlich von Washington hatten wir einen ausdauernden Schneeregen. Die Aussenkiste und die Sandbleche werden innen verzurrt, die Alukiste und die weiteren Dinge vom Dach ebenfalls. Das restliche Gas wird dosiert abgelassen, die Wasseranlage entleert, damit Boiler, Leitungen und Pumpe nicht einfrieren. Zugleich verrammeln wir das Fahrzeug diebstahlsicher, denn wir wollen nicht wieder ohne Schlafsäcke den Toyo in Bremerhaven abholen. So wird der Wohnbereich von vorne mit einem Schlafbrett verriegelt und hinten versperrt eine Eisenkette und unsere Sandschaufel den Zugang. Sämtliche, nicht notwendigen, Stromkreise werden getrennt und alles begehrenswerte aus dem Führerhaus entfernt. Für die Zeit bis zum Abflug haben wir noch einen Leihwagen, um mobil zu bleiben.

 

Die Fahrzeugabgabe und die Zollabwicklung verlaufen nicht ganz einfach und halten uns noch auf Trab. Die Frachtagentin hat uns zwar alle Papiere geschickt und die erforderlichen Adressen mitgeteilt, uns allerdings auch auf Nachfrage nicht näher erläutert, wie der Ablauf genau erfolgt. Erst der Zoll klärt uns über den Prozeß auf und zu unserer Überraschung braucht er standardmäßig 24h zur Freigabe des Fahrzeuges. Zum Glück hatten wir unser Apartment einen Tag länger gebucht. Was seinerzeit in Baltimore bei der Einreise mit ein paar Formularen in einer Stunde schnell erledigt war, wird jetzt zur Ausreise sehr formal geprüft. Als uns dann noch auffällt, dass die Agentin bei unserer Fahrgestellnr eine Ziffer vergessen hat, wird uns doch mulmig. Zum Glück fällt dies keinem auf. Der Zoll verlangt noch einen Eigentumsnachweis für das Fahrzeug und so muß der KFZ-Schein dafür herhalten. Dafür prangt jetzt auf dem KFZ-Schein ein großer Stempel der US-Border Control, wo ansonsten der TÜV seine Eintragungen macht. Egal, Hauptsache das Auto darf ausreisen.

 

Reisefazit

 

Wir sind fast sechs Monate durch den Südwesten der USA und Baja California gereist und haben in Summe 22.250km zurückgelegt. Wir haben wunderbare Landschaften gesehen und viele nette Menschen und andere Reisende getroffen. Die Weite der Natur, die riesigen Nationalparks mit ihren Sehenswürdigkeiten waren oft überwältigend. Diese Gegend ist prädestiniert für freies Reisen und Übernachtungen fernab der Infrastruktur. Staatliche Ländereien werden vom Bureau of Landmanagement (BLM) verwaltet und oft zur freien Campingnutzung ausgewiesen. Nur in Städten wie z. B. San Francisco oder San Diego ist es schwierig, einen freien Nachtplatz zu finden.

 

Es gibt Tausende km an Offraod-Pisten jeglichen Schwierigkeitsgrades und diese sind der Garant für einsame Touren durch die Natur abseits der vielbefahrenen Touristenstrecken.

 

Die winterliche Reisezeit war für uns optimal, auch wenn die Tage kurz waren. Die Temperaturen waren tagsüber angenehm, im Sommer ist es hier oft unerträglich heiss und voller Moskitos. Die oft klare Luft und der niedrige Sonnenstand waren prädestiniert für schöne Aufnahmen. Allerdings konnten wir nur wenige Abende draussen sitzen und so gut wie nie draussen frühstücken. Wir hatten nur wenige Regentage und die Sehenswürdigkeiten waren nicht überlaufen. Die Größe der Parkplätze aber gab uns einen Eindruck, was in der Hauptreisezeit hier los ist. Wir würden jederzeit wieder zu dieser Jahreszeit reisen.

 

Oft wurden wir auf unser Fahrzeug angesprochen und es wurde von vielen bewundert, denn dieses Modell wird in USA nicht verkauft, gleichwohl ist es aus Berichterstattungen von den Krisenherden dieser Welt vielen bekannt. Der Toyo hat uns zuverlässig gedient, nur eine Glühkerze musste getauscht werden, ansonsten haben wir nur die normalen Servicearbeiten wie Schmierdienste durchgeführt. Nachdem wir die Probleme mit der Standheizung gelöst hatten, brauchten wir auch nicht mehr zu frieren.

 

Unser Eindruck ist, dass die USA schon länger nicht mehr das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der individuellen Freiheit ist. Das staatliche Gängelband der Vorschriften ist eng geknüpft und auf Dauer fühlen wir uns durch die vielen Schilder mit Verboten oder auch Selbstverständlichkeiten zu oft bevormundet. Uns erscheint das Land sehr verängstigt. Waffen werden in der Öffentlichkeit getragen, durch Plakate wird immer aufgefordert, Dinge zu melden, die einem ungewöhnlich erscheinen. Dies könnte dann auch schon mal ein Toyota sein, der nachts irgendwo parkt, wo sonst keiner parkt. Die Ordnungshüter sind generell mit einem umfangreichen Waffenarsenal unterwegs, selbst in der Zollbehörde, die gut gesichert ist, trägt jeder Offizielle das gleiche Arsenal mit sich, wie es die Streifenbeamten im Einsatz tun.

 

An die Shopping-Infrastruktur an den Highways muss sich der Reisende gewöhnen, es geht in diesem Land nicht ohne. Mehr als einmal fragen wir uns, wo kommt all diese Kaufkraft her, um die Läden zu füllen. Wo Shopping zu finden ist, ist auch Fastfood nicht weit entfernt. Dass diese Art von Restaurants ihre Berechtigung haben, erkennt man leider zu oft an der Körperfülle der Gäste.

 

Es ist für uns in vielen Dimensionen ein Land der Extreme. Sei es Armut versus Reichtum, extreme politische Strömungen, Waffenfreiheit, Shoppingmeilen mit Konsum ohne Ende, unzählige Fastfood-Restaurants, grandiose Natur, unendliche Weiten in der Natur und in der Besiedlung, Hightech und Lowtech, Raubbau an der Natur und strenger Naturschutz in den Parks, um nur einige Punkte zu nennen. Dieses Spannungsfeld haben wir sehr viel stärker als in Europa wahrgenommen.

 

Wir haben diese 6-monatige Reise genossen, es war für uns erfüllend und wir haben viele Eindrücke und Bilder von diesem Land mitgenommen. Diese Art des Reisens ist anstrengend und im Rückblick sind wir zu viel gefahren, hätten einige Sehenswürdigkeiten besser eingetauscht gegenTage ohne festen Plan. Nach dieser Zeit voller neuer Eindrücke freuen wir uns auch wieder auf Italien, denn dort wartet schon der Frühling mit seinen anstehenden Aufgaben auf uns.