2. Auf nach Westen

St. Louis am Mississippi, 06.09.18

 

St. Louis ist für die USA das Tor zum Westen. 1803 erwarb Präsident Jefferson für 15 Mio. $ die ehemalige Kolonie Louisiana vom Frankreich. Dieses größte Grundstücksgeschäft verdoppelte die damalige Fläche der USA und führte letztendlich zur Ausbreitung bis an den Pazifik. Legendäre Expeditionen wie die von Louis und Clark (1804-1806) erkundeten das Land westlich des Mississippi und legten damit den Grundstein der weiteren Besiedelung (Quelle Wikipedia).

Der 192m hohe Gateway Arch, erbaut 1965, erinnert an diese Vergangenheit und ist heute ein National Monument der USA. Der Bogen hat ebenfalls eine Spannweite von 192m; Besucher können mit einem Aufzug zum höchsten Punkt des Bogens fahren. Der Bogen hat den Bogenverlauf einer hängenden Eisenkette.

 

Bis zu unserer Ankunft in St. Louis hat sich aber einiges ereignet, von dem ich kurz berichten möchte.

Am 29.08 starteten wir in München mit einem Direktflug nach New York. Ben wurde am Sperrgepäckschalter 2h vor Abflug in Empfang genommen. Mit seiner Hundebox wurde er später auf einem Rollwagen direkt zur Maschine gebracht; ca. 11h später stand er wohlbehalten zur Abholung bereit. Anschließend erfolgte noch eine kurze Kontrolle seiner Impfpapiere und dann durfte auch er einreisen. Meine Schwester Kerstin empfing uns herzlich und wir brauchten uns den restlichen Tag um nichts mehr zu kümmern.

 

Unser Schiff, die Tarago, hatte zwischenzeitlich den Zielhafen Baltimore bereits verlassen, somit konnten wir unseren Toyo wie geplant am Freitag, dem 31.08 abholen. Am Do, dem 30.08, wollten wir bereits die Zollabwicklung in Newark durchführen lassen, da die Amerikaner sich mit Laborday (Mo. 03.09.) auf ein langes Wochenende freuten und viele am Freitag früher in ein verlängertes Wochenende starteten. Es liess sich auch gut an; der Beamte der „Home Land Security & Border Control“ vermisste nur die Arrival-Note der Spedition. Wir fuhren zu meiner Schwester zurück und die Spedition schickte uns das begehrte Dokument per Mail zu, mit dem Vermerk, dass wir vor Abholung die Hafengebühren zu entrichten haben. Somit also zur Bank, eine Blitzüberweisung veranlasst und nachmittags fuhren wir erneut die 30 km zum Amt, um dann von einem anderen Officer zu erfahren, dass sein Amt für Baltimore keine Abfertigungen durchführen darf. Er verwies uns an seine Kollegen in der Baltimore Innenstadt.

 

Am Fr., den 31.08 übernahmen wir bereits morgens um 7:00 am Flughafen Newark unseren Leihwagen, denn neben der Zollabwicklung wollten wir ja den Wagen vor dem Laborday-Weekend aus dem Hafen holen. Um 11:30h standen wir in Baltimore mal wieder vor einem netten Officer, der uns erklärte, diese Stelle sei nur für gewerblichen Handel zuständig; wir müssten zum Flughafen Baltimore-Washington, Pier E; langsam wird es zeitlich knapp.

Kerstin hatte in der Zwischenzeit flankierend mit diversen Stellen telefoniert und so waren die Beamten am Pier E bereits über unser Ansinnen informiert. Nach Ausfüllen diverser Formulare und dem Zolldokument wurden wir Richtung Hafen entlassen. Es war inzwischen 13:30; der Hafen schließt für Publikumsverkehr um 16:00h. Unser nächster Anlaufpunkt war einer privater Escortservice, der uns aus Sicherheitsgründen durch den Hafen begleiten musste.

Um 14:30 kamen wir beim Escortservice an und legten unsere Abholpapiere vor. Auf deren Frage, wo denn unsere Delivery-Note sei, hatte ich leider keine Antwort; weiterhin sei die Zahlung der Hafengebühren noch nicht eingegangen. Erst der Einzahlungsbeleg überzeugte und ich fuhr mit einem Schwarzen, der vor lauter Muskelmasse einen echten Watschelgang hatte, stilgerecht mit Rapmusik in den Hafen. Im ersten Büro wurde auf der Arrival-Note kurzerhand Delivery-Note vermerkt, der Einzahlungsbeleg kopiert und dann fuhren wir zu einem weitläufigen Parkplatz, wo unser Toyo äußerlich unversehrt stand. Bei Verlassen des Hafens gab es nur einen schnellen Blick auf die Stempel; keiner kontrollierte die Fahrgestellnr, geschweige denn den Inhalt des Toyo. Dies ist schon erstaunlich, wenn man die strengen Einreiseformalitäten am Flughafen hinter sich hat.

 

Noch gut eine Stunde brauchten wir, bis wir das Fahrzeug reisefertig hatten. Für die Verschiffung hatte ich die Sandbleche auf die Staukisten verzurrt, eine große Alukiste und eine leere Gasflasche wanderten jetzt wieder aufs Autodach. Jetzt ging es erneut zum Flughafen; wir wollten den Leihwagen loswerden; die Strecke kannten wir ja inzwischen schon.

Ein erster rascher Einkauf und dann ging es zu einem nahe gelegenen Campingplatz in einem State Park, um nach dieser Tagesrallye durchzuatmen und ein kühles Bier zu geniessen. Der Tag hatte mit Temperaturen von 35 Grad und Regenschauern auch einen Beitrag dazu geleistet.

 

Beim abendlichen Bettenbau suchten wir geraume Zeit unsere Schlafsäcke, bis wir uns überzeugen liessen, dass wohl ein Bedürftiger diese mitgenommen hatte; ihm fehlten wohl auch noch ein paar gute Lederschuhe und Flip-Flips, Größe 45.

Den nächsten Tag verbrachten wir noch im State Park und haben anfangs noch unsere Wunden geleckt. Im Schatten war die Hitze erträglich, im Auto hat dann noch vieles seinen finalen Platz erhalten. Abends gab es ein frisch gebackenes Dinkelbrot mit importiertem Mehl der Draxmühle.

 

Die Fahrtage bis St. Louis waren sehr heiss, Ben litt am meisten unter der Hitze im Fahrzeug, denn die Klimaanlage schaffte es nur auf 33 Grad im Innern. Wir übernachteten meist auf Campgrounds in State Parks. Diese sind sehr schön und weitläufig in Wäldern mit weiten Rasenflächen angelegt. Die Parks sind zum Teil so wie der Englische Garten in München. Aber die Amerikaner brauchen ja auch entsprechenden Platz für ihre Trailer und Wohnmobile. 

Ein Fahrzeug unserer Größe wird schnell mal hinten an ein Wohnmobil angehängt, um am Zielort mobil zu sein. Viele Wohnmobile haben die Länge eines Reisebusses; sind mit 2 Klimaanlagen ausgestattet und haben sogenannte Pull-Outs. Damit lässt sich der Wohnraum seitlich vergrößern; das Kingsize-Sofa steht dann quasi in einem Erker. Ein sogenannter Hookup versorgt das Mobil mit 15kW, damit können die Klimaanlagen dann laufen. Alternativ brummelt in den Tiefen des Mobils ein Generator.

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