3. Boulder und der Rocky Mountain National Park (NP)

 

Boulder, 20.09.2018

 

Die Stadt Boulder liegt auf 1.600m Höhe am Fuße der Rocky Mountains, nordwestlich von Denver. Östlich von Boulder erstrecken sich die unendlichen Weiten des Mittleren Westens und direkt am westlichen Stadtrand erheben sich die über 4.000m hohen Berge der Rocky Mountains. Diese Stadt zählt wegen ihrem Klima, der Lebensqualität und der nahen Berge mit ihren Nationalparks zu den Städten der USA mit den höchsten Zuwachsraten. Trockenes Kontinentalklima und mehr als 300 Sonnentage sind hier kaum noch zu toppen. Dazu kommt noch eine liberale Lebensauffassung, die insbesondere für junge Menschen attraktiv ist. Dazu passt auch ein Plakat in einer Buchhandlung mit der Aufschrift 01.20.21 Trump´s Last Day. Viele Restaurants, Cafe´s und Boutiquen prägen die Fußgängerzone; wir sehen kaum übergewichtige Menschen.

 

Es gibt zahlreiche Outdoorläden, Offroading, Biking, Hiking und Klettern stehen hier hoch im Kurs. Im Amerikanischen bezeichnet man Klettern auch als Bouldern und als Boulder werden große Steine bezeichnet; somit erklärt sich auch der Ortsname. Eine Vielzahl von Pisten erschließen die bewaldeten Hangregionen am Fuße der Rocky Mountains.

 

Meine Schwester Anja und ihr zukünftiger Mann Rich leben am Rande des Coal Creek Canyons inmitten des Waldes auf 2.600m Höhe. Der Blick nach Osten reicht bis in die weiten Ebenen; nachts sieht man in der Ferne die Lichter von Denver. Entlang der Pisten stehen luxuriöse Anwesen, aber auch einfache Hütten, die scheinbar die Zeitreise aus dem 18. Jahrhundert überstanden haben. Die Temperaturen in diesen Höhen sind sehr angenehm; die Höhenanpassung haben wir nach 2 Tagen gut geschafft; an die sehr trockene Luft (30%) müssen wir uns erst gewöhnen; permanent fühlt sich unsere Haut ausgetrocknet an; viel trinken ist angesagt.

 

Von Denver aus wurde entlang einer alten Siedlerroute 1904 eine Eisenbahnlinie gen Westen über die Rocky Mountains eröffnet. Diese führte anfangs über den Rollinspass auf 3.600 m Höhe, die Eisenbahn überquerte dabei die Continental Divide; die Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik. Historische Berichte illustrieren die damaligen Leistungen und Herausforderungen. Die Trasse führte dabei in den Wintermonaten durch meterhohe Schneewände und Lawinenverbauungen, freigeräumt durch Dampflokomotiven, die vorne mit 4 m hohen Schneefräsen ausgestattet waren. Nicht selten waren die Züge in der damaligen Zeit tagelang in den Schneemassen gefangen bis endlich Hilfe kam.

Seit 1928 führt ein 9 km langer Tunnel durch die Berge und die alte Trasse wurde somit obsolet. Die alte Bahnstrecke wurde später von den Schienen geräumt und steht seither als 30 km lange Offroadpiste zur Verfügung. Allein der verschüttete Tunnel auf Kammhöhe verhindert die Weiterfahrt gen Westen.

Die Blicke in die weiten Täler und auf die Bergkämme sind bei dunkelblauem Himmel atemberaubend, dazu kommt noch die beginnende Verfärbung der Espen (Aspen im Engl.). Die Baumgrenze liegt hier bei 3.400m! Entlang der Piste sehen wir überall 4x4 Pickups und Zelte, es ist Wochenende; wir sind hier nicht alleine. Immer wieder werden wir auf unser Fahrzeug angesprochen (you guys have an awesome truck).

 

 

Für 4 Tage verlassen wir das Haus von Anja und Rich und starten zu einer Rundtour durch den Rocky Mountain National Park.

 

Die Schaffung der amerikanischen Nationalparks basiert auf dem Gedanken, außer-gewöhnliche Landschaften, Naturwunder und historische Stätten vor Zerstörung und kommerzieller Ausbeutung zu bewahren und gleichzeitig den Bürgern den kontrollierten Zugang zu ermöglichen. Als erster wurde der Yellowstone bereits 1872 zum Nationalpark erklärt. In den USA existieren 59 NP´s, allein 30 davon im Westen. Der Zugang ist kostenpflichtig; mit dem Jahrespass „Amerika the Beautiful“ sind die Kosten aber erträglich. 

Der Ansturm in den Hauptreisezeiten ist immens; teilweise werden dann die Zugänge gesperrt. Campingplätze in den NP´s müssen dann z.T. 6 Monate und früher im Vorhinein gebucht werden. Freies Campieren, wie wir es bevorzugen, ist strikt untersagt. Die Park Ranger achten konsequent darauf und sind zur Durchsetzung der Regelwerke mit Polizeigewalt ausgestattet. Die Regeln sind streng; Strassen und Wanderwege dürfen nicht verlassen werden; Hunde dürfen an der Leine die Strasse und Parkplätze nicht verlassen, Wanderwege sind für sie gesperrt. Camping-Übernachtungen auf Wanderwegen im Outback müssen angemeldet werden und erfordern ein Permit. Dafür gibt es hervorragend ausgestattete Besucherzentren; der Gast wird betreut und fühlt sich somit nicht alleine gelassen.

Die Strassen in diesem Nationalpark führen bis auf 3.700m; unserem Toyo geht dabei so langsam die Luft aus. Damit er nicht zu sehr russt, fahren wir die Steigungen nur langsam hinauf und führen so des Öfteren eine Autoschlange an. Erneut genießen wir die Blicke in die unendlichen Weiten; Wald soweit das Auge reicht und denken öfters an die Siedler, die vor 200 Jahren dieses Land erobert und urbar gemacht haben.

 

Mit Bären und Elchen muß in dieser Gegend immer wieder gerechnet werden. Auf den Campgrounds hat jeder Stellplatz einen eisernen Vorratsschrank, damit keine Vorräte entwendet werden; auch haben wir uns sicherheitshalber Bärenspray zugelegt. Ben können wir deshalb nur noch selten von der Leine lassen. Morgens steht direkt ein Elch neben den Auto und wandert dann langsam äsend in den Wald.

Die Natur erscheint hier noch viel unmittelbarer und ursprünglicher, als wir es von Mitteleuropa gewöhnt sind.

Download
3. Boulder und Rocky Mountains NP.pdf
Adobe Acrobat Dokument 3.2 MB