5. Gen Süden zum Colorado

 

Panguitch, 12.10.2018

 

Vor einigen Wochen im Rocky Mountain NP war der Colorado noch ein unscheinbarer Bach, hier im Süden von Utah fließt er durch faszinierende Canyonlandschaften. Die Strecke nach Süden war wieder geprägt von den unendlichen Weiten Wyomings mit grasenden Rinderherden auf Weideflächen, soweit das Auge reicht. Diese Weiten strahlen eine Ruhe und Erhabenheit aus, Europa mit seinen Themen scheint Lichtjahre entfernt.

Viele Häuser in den wenigen Ortschaften wirken oftmals provisorisch und einfach gebaut; die Mainstreet in den Orten strahlt noch viel Wildwestmanier aus, nur das vor den Läden statt Pferde und Kutschen jetzt große Pickups parken.

 

Die Amerikaner pflegen Ihre Geschichte. Immer wieder stoßen wir auf historische Plätze, die durch Hinweistafeln die Vergangenheit der Eroberung und Erschließung des Kontinentes erläutern. Es ist immer wieder interessant zu lesen, wie die Menschen nach Westen vorgestoßen sind, wie Tracks angelegt wurden und wie viele Siedler den gefährlichen und entbehrungsreichen Weg auf sich genommen haben. Die Vertreibung und Vernichtung der Urbevölkerung hingegen wird selten erwähnt; zuweilen werden diese Indio-Besiedlungen als erster Schritt zur Urbarmachung des Kontinents bezeichnet. Auch so kann eine Bewältigung der Vergangenheit aussehen.

 

Auf dem Weg gen Süden finden wir zumeist idyllische Plätze in State Parks oder vom BLM (Bureau of Landmanagement). Diese Plätze sind meist kostenfrei, haben oft ein Trocken-WC und vorbereitete Feuerstellen. Die Amerikaner lieben Camping, viele nutzen ihren Pickup mit einer Aufsetzkabine am Wochenende oder kuppeln einen Trailer an, der für uns dann nicht mehr nachvollziehbare Abmessungen hat. Hinter dem Trailer hängt dann manchmal noch ein ATV (all terrain vehicle), mit dem dann auf ausgewiesenen Trails durch die Natur geheizt werden darf. Wir hingegen sind froh, ausserhalb der Saison unterwegs zu sein; somit stehen wir oft alleine an schönen Plätzen. Allerdings nächtigen wir oft in Höhen nicht weit von der Schneefallgrenze entfernt.

 

Die Hoffnung, dass sich unsere Standheizung in tieferen Lagen wieder zum Leben erweckt, erfüllt sich leider nicht. Recherchen im Internet und die Fehlermeldungen der Heizung zeigen an, dass diese durch zu lange Benutzung in Höhen über 2.000m total verrußt ist und nicht mehr anspringt. So nehmen wir einen Umweg zu einer fachkundigen Werkstatt nach Salt Lake City in Kauf. Ein Preisvergleich zeigt, dass eine Reparatur kaum billiger käme und so sind wir jetzt im Besitz einer neuen funktionierenden Heizung. Zukünftig werden wir unsere Übernachtungsplätze zusätzlich auch noch nach der Höhenlage aussuchen. Wir genießen jetzt wieder den Komfort der Wärme auf Knopfdruck.

Falls wir dennoch in Höhen über 1.700m übernachten müssen, werden wir wieder wie die letzten Wochen die Wärme vom Kochen abends nutzen und danach die Gasflamme mit einer Eisenplatte zur Konvektion nutzen; ein kleiner Propeller verteilt dann die Wärme. Dies geht passabel, solange wir das Dach unten lassen und regelmäßig wegen der Abgase und der entstehenden Luftfeuchtigkeit lüften.

 

Salt Lake City ist ansonsten nicht unbedingt eine Reise wert, ausser man interessiert sich für die Geschichte der Mormonen oder ist begeisterter Fan von meterhohem trockenem Pulverschnee im Winter. Der Gründer dieser Religion Brigham Young hat sich hier mit seinen Anhängern 1847 niedergelassen, und in über 40-jähriger Bauzeit eine imposante Kirche aus Granit bauen lassen. Im Visitor-Center wird umfassend über den Bau berichtet, als wir jedoch erfahren, daß der Gründer in Summe 27 Frauen hatte und über 50 Kinder in die Welt setzte, nahm unser anfängliches Interesse rasch ab. Zudem sind heute Kirche und Religion eng verknüpft, Kaffee, Alkohol und Empfängnisverhütung werden streng abgelehnt.

 

Unsere Reisestrecke führt uns von Salt Lake gen Süden in Richtung des Bryce Canyon, der erste Nationalpark am Nordrand des Coloradoplateaus. Einige Bilder liefern bereits einen Vorgeschmack auf die Canyonlandschaften des nächsten Reiseberichtes.