9. Mojavewüste und Death Valley

Bakersfield CA, Nikolaus 2018

 

Mojavewüste

Von dem Ort mit dem schönen Namen Bullhead City haben wir die Mojavewüste angesteuert. Dieses Gebiet mit einer Größe von 170 x 70km wird nur von 2 befestigten Strassen und einer Eisenbahnlinie gequert. Ziemlich in der Mitte an einer ehemaligen Bahnstation gibt es ein Visitorcenter mit einer Station von Parkrangern, ansonsten keine Siedlungen oder ähnliches. „No Service available“ Schilder weisen Autofahrer auch darauf hin.

Wüste heisst nicht zwangsläufig Sandwüste. Es ist eine vielfältige Landschaft, die durch einige Gebirgszüge, Sand- und Schotterflächen, die eben wie mit dem Lineal gezogen, in Talsenken abfallen. Hier finden sich Sanddünen mit bis zu 200m Höhe und einige ausgetrocknete Salzseen. In den Bergen, die sich bis zu 1.500m über den Tiefebenen erheben, entspringen Wasserquellen und gibt es Höhlen vulkanischen Ursprungs.

 

Eine 225km alte Piste (Old Mojave Road) quert diese Region von Ost nach West und war bis zum Bau der Eisenbahn (Ende des 19. Jahrhunderts) die bevorzugte Route nach Westen. Der Bau der Eisenbahn erforderte eine Bahnstation (Kelso) ziemlich in der Mitte dieser Region, damit zusätzliche Lokomotiven die Züge über die Steigungen schleppen konnten. Diese renovierte Bahnstation ist heute ein Visitorcenter und erinnert mit einer umfangreichen Ausstellung an vergangene Zeiten, sowie über die Geschichte, Fauna und das Tierleben. Im 2. Weltkrieg wurden in einer Mine in der Nähe 2.500 to Eisenerz täglich gefördert und eine Vielzahl von Pisten und altem Bergbaugerät zeugen heute noch davon. Die Bahnstrecke ist weiterhin in Betrieb und bis zu 2km lange Güterzüge, die Container doppelt gestapelt, werden von 3-4 Lokomotiven gezogen.

Einen Teil der alten Mojavepiste können wir dank unserer Bodenfreiheit befahren. 4 Nächte verbringen wir hier an schönen einsamen Stellplätzen, meist alleine, mit Fernsichten, sternenklaren Nächten, aber auch meist mit Wind, der uns nötigt, unten zu schlafen. Die Temperaturen sind im Windschatten und mit Sonne angenehm. 

Am Sonntag nach Thanksgiving verlassen wir die Ruhe der Wüste und sehen in der Ferne auf der Interstate 40 eine unendliche Schlange an Autofahrern, die sich sowohl gen Westen an die kalifornische Küste als auch in Richtung Las Vegas stauen. Es ist wohl der Rückreiseverkehr des verlängerten Wochenendes. Einmal mehr stehen wir fassungslos vor dem Freizeitequipment vieler Amerikaner. Monsterpickups mit Riesentrailern und im Schlepptau noch ein Hänger mit einem Fuhrpark an Enduro´s, Sandbuggy´s, .... Die nahen Sanddünen Richtung des Death Valley sind ein offiziell erlaubter Spielplatz ohne Grenzen.

Fahren wir nach Las Vegas oder nicht? Wir waren uns unschlüssig und so traf der riesige Verkehrsstau die Entscheidung. Somit verzichten wir auf den Besuch der Spielcasinos zur Aufbesserung unserer Reisekasse. Da es in der Nähe von Las Vegas keine passablen Übernachtungsplätze gibt, hätten wir auf einem lauten RV-Park in der Nähe der Casinomeile nächtigen müssen und irgendwie zogen wir beide nicht so richtig.

 

In Pahrump, östlich des Death Valley gelegen, ergänzen wir unsere Vorräte und finden in der örtlichen Bücherei ein superschnelles Internet. Hier müssen wir mal ein großes Lob aussprechen. Diese Bücherei ist vorbildlich ausgestattet, mit PC-Arbeitsplätzen und einem Arbeitsklima wie in alten Zeiten in einer Hochschulbibliothek. Wir werden jetzt öfter mal nach Libraries Ausschau halten. Unser extra für die Reise erworbener Surfstick kommt hier im Westen aktuell nicht mehr ins Netz, vielleicht liegt es hier an anderer Netzinfrastruktur (LTE?), wir sind noch am recherchieren.

Einmal mehr werden wir auf dem Platzplatz eines Supermarktes angesprochen. Junge Deutsche haben sich in USA einen alten Camper gekauft und in die Reihe gemacht. Schnell gehen 1-2 Stunden vorüber, die gegenseitigen Fragelisten sind lang. Wir müssen inzwischen auf unsere Tageszeit achten, denn wird es abends schon früh dunkel.

Für die kommenden Tage ist im Westen der USA eine Schlechtwetterfront avisiert, so soll es in den kommenden Tagen im Sequoia NP und im Yosemite NP 1,5m Schnee fallen und die Temperaturen nachts bis auf -20 Grad sinken. Selbst für das Death Valley wird leichter Niederschlag von einigen mm avisiert. Wir werden uns überraschen lassen.

 

Death Valley

So tot, wie der Name suggeriert, ist das Death Valley nicht. Die hier noch lebenden Indianer verwehren sich auch gegen diese Bezeichnung, denn sie haben sich schon seit Jahrhunderten mit der Natur arrangiert und haben hier ihr Auskommen. Erst um 1980 wurde ihnen übrigens wieder das Recht auf freie Ausübung ihrer landwirtschaftlichen Betätigung im Nationalpark per Gerichtsbeschluss zugebilligt; sie mussten sich dieses Recht hart erkämpfen.

 

Dieser NP ist mit seinen 14.000 qkm schon etwas Besonderes. Von 86 m unter Null bis zu Bergspitzen vom knapp 3.400 m Höhe; ca. 1.400km Offroadpisten aller Schwierigkeitsgrade, unzählige Wanderwege, 10.000 Grubeneingänge in denen bis in die 30iger Jahre Talk, Borax und Gold abgebaut wurde. Versteckte Wasserquellen in den Bergen, Sommertemperaturen von über 50 Grad am Salzsee, farbenfrohe Canyonlandschaften zum Erkunden und direkt angrenzende militärische Sperrzonen. Obwohl im NP gelegen, absolvieren regelmäßig Militärjets durch den Rainbow-Canyon ihre Übungsflüge, Zuschauer können die Jets dabei von oben verfolgen. Auch freies Campen ist abseits der Strassen (2 Meilen) erlaubt. Streng geahndet wird allerdings das freie Fahren abseits der Pisten, denn die Natur vergisst diese Spuren über Jahre hinweg nicht. Wer sein Fahrzeug im Salzsee versenkt, der kann sich der ungeteilten Aufmerksamkeit der Parkranger sicher sein (mind. 1/2 Jahr Gefängnis und eine saftige Geldstrafe).

 

10 Tage erkunden wir den Nationalpark, fahren auf Pisten durch enge Canyons, sehen alte Minenanlagen, blicken von einem 2.000m hohen Aussichtspunkt in die Weite der Salzebene, suchen Warmwasserquellen in den Bergen und spazieren über den Salzsee. Die Temperaturen sind mit 20 Grad sehr angenehm. Zwischen Thanksgiving und Weihnachten ist hier nicht viel los, es ist die beste Reisezeit. Am Wochenende findet hier übrigens ein Marathonlauf durch den Titus Canyon über eine raue Piste statt. Der Streckenverlauf ist anspruchsvoll, startet beim 700m Höhe, geht über zwei Pässe mit 1.500m und endet auf Meereshöhe. Es werden 250 Teilnehmer erwartet.

 

In diesem Canyon stehen die wenigen Reste der Geisterstadt Leadfield ( siehe Bilder unten von 1927 und heute ). Ein betrügerischer Investor hat hier 1926 Schürfrechte für Blei verhökert und für ein halbes Jahr entstand hier eine Boomtown mit 500 Bewohnern, bis der Betrug aufflog.

Erfolgreicher war der Abbau von Borax, zumindest für die Besitzer der Minen. Hochbeladene Wagen mit 20 Zugpferden zogen die Ausbeute 165 Meilen zur nächsten Eisenbahnlinie, der Twenty Mule Team Canyon hat daher seinen Namen. Historische Aufnahmen im Visitorcenter zeigen diese Gespanne, wie sich sich über Bergpässe gequält haben. Mondäne Hotelanlagen mit Pools entstanden in dieser Zeit in Furnace Creek, direkt am Salzsee gelegen. Irgendwie scheint es Wasser hier im Überfluss zu geben. Auf den Campgrounds gibt es überall Trinkwasser, einfacher sind wir bisher noch nicht an Wasser gekommen und dies im Death Valley!

Die Schneefront im Westen Kaliforniens brachte hier übrigens weisse Bergspitzen und einige Regentropfen über dem Salzsee, das war es dann auch schon und bald kam die Sonne wieder hervor. 

 

Reisealltag

Wie sieht eigentlich so unser Reisealltag aus? So mancher mag sich denken, die drei müssten ja alle Zeit der Welt haben, wer so unterwegs ist. Aber es ist Winterzeit und die Tage sind kurz, bereits ab 16 Uhr geht die Sonne unter, dann wird es draussen ungemütlich. Wir merken dies auch an dem Ladezustand unserer Verbraucherbatterien. Die kurzen Tage reichen oft nicht aus, um mit Solar und Lichtmaschine ausreichend zu laden, hinzu kommt noch der erhöhte Stromverbrauch durch Heizung, Licht und vermehrte Nutzung des PC´s; wir müssen mit Strom deshalb sparsam umgehen.

 

Wir reisen zu dritt auf 1,9 mal 1,4 m Grundfläche zuzüglich der beiden Sitze vorne. Für diese Reise habe ich den Möbelausbau komplett erneuert, die alten auf Aluminiumwinkel basierten Möbel sind einem reinen warmen Holzausbau gewichen, der uns zudem bequeme Sitzmöglichen bietet. 4 Schubkästen und 2 Schubladen verringern erheblich die Zugriffszeiten zu Geschirr und Vorräten, früher musste alles aus Kisten herausgekramt werden. Diese Konzeption hat sich voll bewährt, auch die Fertigungstechnik mit 10mm Sperrholz hat bisher den Rüttelpisten bestens standgehalten. Es ist dennoch eng im Fahrzeug und jeder Handgriff oder Bewegung muß überlegt erfolgen. Wenn dann noch kräftiger Wind hinzukommt und das Hubdach unten bleiben muß, dann gibt es auch keine Stehhöhe mehr.

 

Die meisten Nächte können wir aber im Hubdach schlafen und ich stehe als erstes auf, um das Frühstück zu richten. Die Heizung und das Teekochen wärmt den Innenraum dann zügig auf 20 Grad auf. Wenn die Sonne noch mithilft und kein Wind geht, dann können wir sogar im Freien frühstücken. Danach wird abgewaschen, Hausputz gemacht, der Hund versorgt und nach gut 2h sind wir abfahrbereit.

 

Von Zeit zu Zeit braucht unser Toyo etwas Zuwendung. Alle beweglichen Teile freuen sich über Öl oder Fett und auch der Luftfilter will regelmäßig ausgeblasen werden. Insbesondere in den Wüstengegenden ist darauf zu achten. Die Pisten erfordern es, den Toyo regelmäßig zu inspizieren, um frühzeitig lockere Teile zu erkennen, bevor sich Schäden anbahnen.

 

Auf unseren bisherigen Fernreisen haben wir immer selbst gewaschen; hier gibt es überall Laundries und so geht es ab und zu in die Wäscherei. Für einige Dollar kann dann gewaschen und getrocknet werden, meist noch mit WiFi zum Zeitvertreib.

 

Unsere freien Übernachtungsplätze finden wir meist mit Hilfe von Apps, Tipps anderer Reisender oder aber wir biegen einfach auf eine Piste ab (hier im Westen kein Problem) und lassen uns überraschen. Gerne stehen wir abseits alleine, nicht einsehbar, wenn möglich ohne Abschattungen wegen der Abend- und Morgensonne, der Toyo muß eben und gemäß der vorherrschenden Windrichtung ausgerichtet werden. Dann ist alles bestens. Nur selten stehen wir auf Campingplätzen; insbesondere in den Nationalparks lässt es sich aber oft nicht vermeiden.

 

Alle 3-4 Tage steht Brotbacken an. Inzwischen konnte ich mit meiner Ofentechnik (Benzinbrenner mit Eisenplatte und Aluhaube aus Alufolie und einer Gussform) viel Erfahrung sammeln und das Brot wird inzwischen perfekt. Die 10kg deutsches Mehl sind inzwischen aufgebraucht und wir haben amerikanische Biomehle gefunden, die sich gut verbacken lassen. Der Teig wird 24h vorher angesetzt und hat somit ausreichend Gelegenheit bei Zimmertemperatur zu reifen. Ein frisch gebackenes Mischbrot zum Frühstück ist dann jedesmal ein Genuss. Weitere Einzelheiten zum Brotbacken auf Reisen findet Ihr hier.

 

Mittags gibt es nur eine kurze Brotzeit, abends kocht dann Sonny. Es ist einfach toll, welch leckere Gerichte sie aus der Miniküche auf den Tisch zaubert. Diese Lob musste ich jetzt mal loswerden. Während Sonny das Essen bereitet, nutze ich die Zeit auf dem Fahrersitz zur Reiseplanung, Fotos sortieren, Schreiben von Reiseberichten oder unserer privaten Administration. Nach dem Abendessen (so gegen 20 Uhr) ist dann bei uns der Tag vorbei. Manchmal gibt es noch einen Film aus der Konserve, aber öfters schläft einer von uns dabei ein und dann ist es Zeit für den Matrazenhorchdienst.

Ihr seht, unsere Tage sind ausgefüllt und hat auch ihre Routine. Aber nachmittags auf einem schönen Stellplatz anzukommen, in Ruhe eine Tasse Kaffee zu trinken und mit der Abendsonne in die Ferne zu schauen, so sollte es sein, aber es klappt nicht immer.

 

Ben macht die Reise toll mit. Er hat seinen angestammten Platz auf der Ablage über der Kühlbox. Da hat er freien Blick auf das Verkehrsgeschehen, liegt im Schatten und kann sich ausstrecken. Er hat natürlich ein stabiles Geschirr an für den Fall der Fälle. Nachts liegt er auf seiner Decke auf dem Beifahrersitz und ist dort ungestört. Seinen Auslauf bekommt er, so gut es geht. Das Beste ist für ihn, wenn er mal an einer Piste für einige Kilometer neben dem Toyo herlaufen kann, wenn keine Gefahr für ihn ersichtlich ist. Längere kurvenreiche Pisten mit viel Gerüttel und Geschaukel sind nicht sein Ding, aber er erträgt es mit Geduld.

 

Zum Schluß noch eine kleine aktuelle Geschichte aus der Welt des Reisens: Vielleicht kennt so mancher Heidi Hetzer, eine ehemalige Autohausbesitzerin in Berlin und Rallyefahrerin. Mit 77 Jahren kaufte Sie sich einen Oldtimer Baujahr 1930 und fuhr damit 2 1/2 Jahre um die Welt. Über diese Reise hat Sie ein Buch geschrieben und in drei Reportagen dokumentierte der NDR seinerzeit die Reise. Vielleicht findet ihr noch die Sendungen in der Mediathek, auf jeden Fall sehenswert. Mit 81 hat sich Heidi jetzt einen Toyota HZJ78 (unser Modell) mit Hubdach gekauft, in Pink lackiert und bricht jetzt von Berlin nach Kapstadt auf. Sie hat das Auto übrigens Pink Lady getauft.